Nur schwerlich ließe sich eine Sorte finden, die die Cannabiskultur stärker geprägt hat als Skunk #1. Die um die Wende von den 1970er- zu den 1980er-Jahren gezüchtete Kultivare wurde dank ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften schnell zu einer der beliebtesten Sorten in der Cannabisszene. Tatsache ist, dass ein großer Teil des Angebots von Samenbanken ohne diese Sorte nicht existieren könnte. Wir werfen einen wirklich detaillierten Blick auf Skunk #1 und enthüllen die Geschichte, die Herkunft sowie die berühmtesten aus dieser Legende gezüchteten Sorten.
Es ist ein heißer kalifornischer Sommer, und irgendwo in den Hügeln oberhalb von Santa Cruz versteckt sich zwischen mächtigen Mammutbäumen ein Cannabisfeld mit Hunderten Cannabispflanzen. Ausgesät wurden sie von Mitgliedern von Sacred Seeds, einer Untergrundgemeinschaft von Growern, mit nur einem Ziel – die ideale Cannabissorte zu züchten. Die Blüten sind schwer von Samen, die im nächsten Jahr zur Aussaat der nächsten Generation verwendet werden sollen. Wir werden Zeugen eines einzigartigen Zuchtprojekts, das die Welt des Cannabis verändern wird.
Die Geburt einer Legende
Die Entstehung einer einzigartigen Kultivare wie Skunk #1 ist nur selten das Werk des Zufalls. Wie bei Tomaten oder anderen Nutzpflanzen sind für die Entwicklung einer hochwertigen und ertragreichen Sorte viele Generationen gezielter Zucht erforderlich, außerdem muss eine enorme Anzahl von Pflanzen angebaut werden. Das konnten sich Cannabiszüchter nur äußerst selten leisten. Ein solcher Ausnahmefall war die Züchtung von Skunk #1, die sich in den abgelegenen Gebieten rund um Santa Cruz in Kalifornien während der 1970er- und 1980er-Jahre abspielte. Es lässt sich schätzen, dass für die Entstehung von Skunk #1 über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren ungefähr 40.000 Pflanzen angebaut wurden.
Der Ethnobotaniker Robert C. Clarke dokumentierte den Zuchtprozess von Skunk #1 ausführlich, und seine Beschreibung veranschaulicht eindrucksvoll, wie viel Arbeit für die Entwicklung einer stabilen Kultivare erforderlich ist. Am Anfang des gesamten Projekts standen mehrere Pflanzen, die Hybriden aus schmalblättrigen Sativas aus Lateinamerika und breitblättrigen afghanischen Indicas waren. Die ursprüngliche Skunk bestand zu drei Vierteln aus Sativa und zu einem Viertel aus Indica. Es könnte sich beispielsweise um eine Kreuzung aus einer kolumbianischen und einer afghanischen Sorte gehandelt haben, die mit einer mexikanischen Landrasse gekreuzt wurde; die Kombinationen und die Reihenfolge der Sorten in der ursprünglichen Skunk kennt jedoch niemand mit Sicherheit.
Alle weiblichen Pflanzen wurden anschließend mit einem ausgewählten Männchen bestäubt. Das als Skunk #1 bezeichnete Weibchen wurde als ertragreichste und potenteste Pflanze ausgewählt und wurde zur Begründerin der folgenden Generationen. Während der nächsten neun Anbausaisons wurde mindestens ein Zweig jeder von bis zu 100 weiblichen Pflanzen mit dem Pollen eines Männchens bestäubt, das aus der Nachkommenschaft der besten weiblichen Pflanze des Vorjahres ausgewählt worden war. Im folgenden Frühjahr wurden nur die Samen der ausgewählten Weibchen ausgesät.
Dank dieses Rückkreuzungsprozesses war die Linie bereits nach zwei bis drei Generationen relativ homogen und genetisch stabil. Anschließend folgte ein Anbauversuch, bei dem die Grower von Sacred Seeds gemeinsam fast 20.000 Pflanzen aus dem Saatgut von zehn Weibchen der vielversprechendsten Linien anbauten.
Aus den angebauten Pflanzen wurden anhand ihrer Vitalität, Potenz, Wirkungsart, Blütenerträge, ihres hohen Blüten-Blatt-Verhältnisses, der Entwicklung der Harzdrüsen, der Verzweigungsintensität und ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge die zehn besten ausgewählt. Gleichzeitig wurden auch zehn Männchen ausgewählt, und zwar nach Vitalität, Widerstandsfähigkeit und einigen weiteren Eigenschaften, die für zur Zucht geeignete weibliche Pflanzen typisch sind.
Von jedem der zehn ausgewählten Weibchen wurden zehn Klone angefertigt, und von jedem der zehn Männchen wurde Pollen entnommen. Anschließend wurde jedes Weibchen mit dem Pollen jedes Männchens bestäubt, wodurch 100 verschiedene Kombinationen entstanden. Aus jeder Kreuzung wurden 200 Samen ausgesät, also erneut insgesamt bis zu 20.000 Pflanzen. Am Ende wurden fünf weibliche und drei männliche Klone ausgewählt, die zur Herstellung der ursprünglichen Skunk #1-Samen verwendet wurden.
Die niederländische Odyssee
Die Identität der meisten Mitglieder von Sacred Seeds wurde nie enthüllt – mit einer Ausnahme: David Watson (1948–2025), besser bekannt unter seinem Spitznamen „Sam the Skunkman“. Nach eigenen Angaben zog Watson Anfang der 1970er-Jahre nach Santa Cruz. Schon bald lernte er dort viele Spitzen-Grower kennen, darunter auch die Haze Brothers, das legendäre Züchterduo, das angeblich für die ursprüngliche Haze verantwortlich war.
Gemeinsam mit seinen neuen Freunden gründete Watson 1976 das Sacred Seeds Collective, und sie begannen mit der Entwicklung von Skunk #1. Ziel war eine stabile und ertragreiche Sorte, die rechtzeitig reift und sich leicht vor neugierigen Blicken verbergen lässt. Dies gelang ihnen schließlich, und 1982 gründete Watson die erste amerikanische kommerzielle Samenbank Sacred Seeds und wurde zu „Sam the Skunkman“.
Die goldene Ära von Sacred Seeds dauerte leider nicht sehr lange. 1982 führte die Polizei eine Razzia bei Sacred Seeds durch und Watson wurde verhaftet. Nach seiner Freilassung, die bis heute Gegenstand von Kontroversen ist, floh der Skunkman in die Niederlande. Er kam jedoch nicht mit leeren Händen in Amsterdam an, sondern mit einem Schatz in Form von etwa einer Viertelmillion Samen der besten Sorten von Sacred Seeds, darunter auch Skunk #1.
Nach seiner Ankunft in den Niederlanden zögerte Watson nicht lange und verteilte die Samen schnell unter örtlichen Growern und Züchtern, die nach amerikanischer Genetik dürsteten. Zu den Ersten, die Skunk #1-Samen erhielten, gehörte auch Nevil Schoenmakers, der Gründer der ersten niederländischen Samenbank The Seedbank, die später in Sensi Seeds umbenannt wurde.
Das könnte Sie interessieren: Nevil Schoenmakers: Gründervater der niederländischen Samenbanken
Die von Watson importierten Samen fielen in den Niederlanden auf fruchtbaren Boden. Dank der liberaleren Gesetze und des einzigartigen Zugangs zu Pflanzenzüchtern wurde die Niederlande nämlich um die Wende von den 1980er- zu den 1990er-Jahren zum weltweiten Zentrum der Cannabiszüchtung. In dieser Zeit entstanden Sorten, die nach Meinung vieler Experten die goldene Ära des niederländischen Cannabis einleiteten. Im Stammbaum einer ganzen Reihe dieser Kultivare finden wir eben Skunk.
Das könnte Sie interessieren: Die berühmtesten Sorten niederländischer Coffeeshops
Skunk #1 als Werkzeug für Züchter
Skunk #1 macht nicht nur Freude beim Anbau, sondern ist auch ein hervorragendes Werkzeug für Züchter. Das liegt zum Teil an der außergewöhnlichen Potenz, Vitalität und Widerstandsfähigkeit der Pflanzen, aber nicht nur daran. Vielleicht noch wichtiger sind die genetische Stabilität der Kultivare und die Tatsache, dass sie viele ihrer Eigenschaften problemlos auf jede andere Sorte überträgt.
Züchter sagen häufig, dass eine Kreuzung mit Skunk den Pflanzen mehr Kraft verleiht und die Blütezeit verkürzt. Skunk #1 widersteht außerdem relativ gut Schädlingen und Schimmel, und das trotz der dichten Struktur ihrer Blüten. In den ersten Jahrzehnten war es daher üblich, Skunk #1 mit lang blühenden Pflanzen vom Typ Haze zu kreuzen. Das Ergebnis sind Sorten wie Super Silver Haze, Jack Herer oder Super Lemon Haze.
Das könnte Sie interessieren: Terpenführer durch die Sorten
Eine überraschend gute Kombination ist Skunk #1 mit einer anderen Pflanze mit kurzer Blütezeit oder mit selbstblühendem Cannabis. So ents
