Fortschritte in der Cannabiszüchtung: Neue Sortentypen und der Aufstieg der Gentechnik

cannahelix (1)Mit der fortschreitenden Legalisierung wird Cannabis zu einem profitablen Wirtschaftsgut. Die Entwicklung neuer Sorten liegt daher immer häufiger in den Händen von Wissenschaftlern, die sich mit Genetik beschäftigen, und nicht mehr bei Growern aus der Underground-Szene. Welche neuen Sortentypen haben fortschrittliche Methoden der Cannabiszüchtung hervorgebracht und was können wir in Zukunft erwarten?

Die Pflanzenzüchtung ist so alt wie die Landwirtschaft selbst. Ihre Wurzeln reichen bis zur Domestizierung der ersten Pflanzen zurück, zu denen auch Cannabis gehörte. Bereits zu Beginn der Steinzeit, vor 12.000 Jahren, begannen die Menschen mit dem Anbau von Cannabis. Schon vor Jahrtausenden wählten die ersten Grower auf ihren Feldern die besten Pflanzen aus und säten deren Samen im folgenden Jahr aus.

Obwohl ihr Vorgehen von moderner Züchtung weit entfernt war, blieb das Ziel dasselbe – möglichst gute Pflanzen zu erhalten. Heutige Züchter haben gegenüber unseren Vorfahren den Vorteil, dass sie mit den Gesetzmäßigkeiten der Genetik vertraut sind und bei ihrer Arbeit modernste wissenschaftliche Verfahren einsetzen. Dadurch sind in den vergangenen Jahren mehrere neue Sortentypen in den Seedbanks erschienen.

F1-Hybriden

Obwohl Saatgut von F1-Hybriden schon lange nicht mehr der Hit der aktuellen Saison ist, war sein Auftreten vor einigen Jahren das erste große Signal dafür, dass sich die Cannabisbranche verändert. Die Entwicklung einer echten F1-Sorte erfordert nämlich ein Zuchtprogramm über viele Generationen mit einer großen Anzahl von Pflanzen. Erst nach der Gesetzesänderung in den USA zu Beginn des Jahrtausends, als zahlreiche Züchter erstmals aus der Grauzone traten, konnten sich Seedbanks etwas Vergleichbares leisten.

Warum ist es so aufwendig, F1-Hybridsorten zu entwickeln? F1-Hybriden entstehen durch die Kreuzung zweier stabilisierter Elternlinien. Um diese zu erhalten, müssen üblicherweise mehrere Pflanzengenerationen angebaut werden. Das kostet Zeit und Geld.

Stabilisierte Linien sind stark homozygot. Durch ihre Kreuzung lassen sich Populationen nahezu identischer Pflanzen mit vorhersehbaren Eigenschaften erzeugen – im Gegensatz zur klassischen phänotypischen Variabilität von Cannabis, bei der Schwesterpflanzen derselben Eltern sehr unterschiedliche Eigenschaften aufweisen können.

Darüber hinaus zeichnen sich echte F1-Hybriden durch Hybridvitalität aus. Diese entsteht durch die Kreuzung genetisch ausreichend weit voneinander entfernter Populationen und zeigt sich darin, dass die Nachkommen deutlich vitaler, widerstandsfähiger und ertragreicher sind als beide Eltern. Für Grower bedeutet das, dass sie mit den neuen F1-Hybriden mehr und einfacher anbauen können. Kein Wunder also, dass sie schnell ihre Anhänger gefunden haben.

Polyploide Cannabissorten

Ein weiterer Züchtungsbereich, der die Zukunft von Cannabis zweifellos beeinflussen wird, ist die Polyploidie. Die meisten Pflanzenarten, einschließlich Cannabis, sind diploid. Das bedeutet, dass sie zwei Chromosomensätze besitzen – jeweils einen von jedem Elternteil. Polyploide Pflanzen verfügen über mehrere Chromosomensätze.

Wie kommt es dazu? Polyploidie kann in der Natur spontan entstehen. Beispielsweise ist die bekannte Sorte MAC1 ein natürlicher Triploid. Züchter können Polyploidie auch künstlich auslösen, und zwar mithilfe von Substanzen, die die Zellteilung stören. Der erste Schritt ist die Erzeugung eines Tetraploiden mit vier Chromosomensätzen. Durch eine weitere Bearbeitung entstehen Pflanzen mit drei (tri), sechs (hexa) oder sogar noch mehr Chromosomensätzen.

OG Triploid Autoflower (OG Autoflower x Tetraploid x OG Auto) – Humboldt Seed Company Probieren Sie: OG Triploid Auto ist eine brandneue revolutionäre Sorte aus der Zucht von Humboldt Seed Company. Sie zeichnet sich durch ein typisches Kush-Terpenprofil mit Noten von Benzin und Kiefer sowie einem Hauch Limette aus. Die Pflanzen reifen 70–80 Tage nach dem Auspflanzen und sind dank ihrer triploiden Gene resistent gegen Bestäubung.

Polyploidie kann sich bei Pflanzen durch verschiedene interessante Eigenschaften bemerkbar machen. Triploide Pflanzen sind in der Regel nicht in der Lage, Saatgut zu produzieren. Diese Eigenschaft wird auch bei der Züchtung anderer Nutzpflanzen als Cannabis genutzt. Fast alle kernlosen Obst- und Gemüsevarianten sind Triploide, und Schätzungen zufolge sind bis zu 60 % der angebauten Nutzpflanzen Polyploide. Bei Polyploiden tritt häufig der sogenannte „Gigas-Phänotyp“ auf, bei dem die Pflanzen aufgrund vergrößerter Zellen insgesamt größer sind.

Saatgut polyploider Sorten taucht langsam im Angebot von Seedbanks auf. Diese versprechen höhere Erträge, einen größeren Gehalt an Wirkstoffen oder sogar schnelleres Wachstum. Polyploide sind auch deshalb interessant, weil in ihnen bisher unentdeckte Verbindungen vorkommen könnten, die wir in klassischen Sorten nicht finden.

Was erwartet uns in Zukunft?

Wie man sieht, verlagert sich die Cannabiszüchtung von klassischen Methoden hin zu modernen wissenschaftlichen Verfahren. Bereits heute werden bei der Entwicklung neuer Sorten DNA-Marker eingesetzt, um Pflanzen mit den gewünschten Eigenschaften zu finden. Neuere Methoden ermöglichen es außerdem, die Funktion einzelner Gene einfacher zu untersuchen oder sogar zu verändern.

Wir können davon ausgehen, dass auch die ersten Sorten, die mithilfe der CRISPR-Technologie, also der genetischen „Schere“, entwickelt wurden, nicht mehr weit entfernt sind. Dadurch könnten maßgeschneiderte Super-Sorten mit den gewünschten Eigenschaften entstehen.

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