Kaum ein Züchter weiß nicht, dass die Blüte von Cannabis mit Ausnahme selbstblühender Sorten von der Photoperiode abhängt, also von der Länge von Tag und Nacht. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass hinter dem Photoperiodismus der Pflanzen ein ausgeklügeltes System steht, das präzise wie eine Uhr sein kann. Wie erkennen Pflanzen, ob es draußen Tag oder Nacht ist, und wonach steuern sie die Blüte?
Im Gegensatz zu uns Menschen, denen ein Blick in den Himmel genügt, steuern Pflanzen ihre innere Uhr über Rezeptoren in den Blättern, die Phytochrome genannt werden. Je nachdem, ob und welches Licht auf sie fällt, können die Phytochrome in zwei verschiedene Formen umgeschaltet werden, die als Pr und Pfr bezeichnet werden.
Am Morgen nach einer dunklen Nacht befindet sich der Großteil der Phytochrome in der Pflanze in der inaktiven Pr-Form. Sobald jedoch Licht auf die Fotorezeptoren fällt, beginnen sie sich vom Typ Pr wieder in Pfr umzuwandeln. Im Laufe des Tages steigt die Menge der Pfr-Phytochrome in der Pflanze an, wobei die Geschwindigkeit und die Menge der umgewandelten Fotorezeptoren vom Spektrum, von der Beschattung und von der Temperatur abhängen. In der abendlichen Dämmerung und während der Nacht beginnen sich die Pfr-Phytochrome wieder in Pr umzuwandeln.
Dieses ausgewogene System ermöglicht es den Pflanzen einerseits zu erkennen, ob gerade die Sonne auf sie scheint, vor allem aber die Länge von Tag und Nacht genau zu messen und die Blüte zu timen. Anhand dessen, wie sich während der Nacht das Verhältnis von Pr zu Pfr verändert, erkennen sie nämlich, wie lange die Nacht gedauert hat und ob sie vom vegetativen Wachstum in die Blüte übergehen sollen.
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Wie viele Stunden Dunkelheit brauchen Cannabispflanzen für die Blüte?
Die meisten Anbauanleitungen geben an, dass Cannabispflanzen für den Start der Blüte 12 Stunden Dunkelheit benötigen. In Wirklichkeit ist die erforderliche Nachtdauer etwas kürzer und hängt außerdem von der Sorte ab. Viele photoperiodische Sorten beginnen bereits bei 10 und mehr Stunden Dunkelheit zu blühen (1). Das gilt vor allem für Sorten aus nördlicheren Regionen, in denen sich die Tage im Sommer langsamer verkürzen.
Sorten aus äquatorialen Gebieten („Sativas“), in denen sich die Länge von Tag und Nacht kaum verändert, benötigen dagegen zum Einsetzen der Blüte eine etwas längere Dunkelphase, die sich 12 Stunden annähert. Deshalb lassen sie sich bei uns im Outdoor-Bereich nicht besonders gut anbauen. Sie haben nicht nur eine lange Blütezeit, sondern beginnen auch erst spät im Sommer zu blühen, oft erst in der zweiten Augusthälfte, und reifen bis zum Herbst nicht mehr aus. Der Vollständigkeit halber sei ergänzt, dass Sie beim Indoor-Anbau während der Blüte den üblichen 12/12-Zyklus einhalten sollten, der bei allen photoperiodischen Cannabisvarietäten funktioniert.
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Es ist wichtig, dass die Pflanzen während der Nacht durch kein Licht gestört werden, und zwar idealerweise nicht einmal für einen Augenblick. Das liegt daran, dass Pflanzen in Wirklichkeit nicht die Länge des Tages messen, sondern die Dauer der zusammenhängenden Dunkelheit, die sogenannte Scotoperiode. Wenn die Blätter während der Nacht von etwas beleuchtet werden, wandelt sich ein Teil der Phytochrome wieder in die aktive Pfr-Form um, und die Pflanze glaubt, dass die Nacht von Neuem begonnen hat. Es hat sich gezeigt, dass selbst schwaches Licht, etwa von einer Straßenlampe oder einer Kontrollleuchte, ausreicht, um die Blüte deutlich zu verlangsamen oder ganz zu stoppen (2).
Daraus ergibt sich die praktische Schlussfolgerung, dass es besser ist, aus Samen selbstblühender Sorten zu ziehen, wenn Sie im Outdoor-Bereich anbauen und den Pflanzen nicht genügend Dunkelheit garantieren können, da diese unabhängig von der Länge von Tag und Nacht blühen. Für Indoor-Züchter gilt dann, dass im Growbox oder in der Anbauräumlichkeit vollständige Dunkelheit herrschen muss. Wir möchten außerdem den Mythos vom für Pflanzen „unsichtbaren“ grünen Licht widerlegen. Zwar ist es richtig, dass grünes Licht bei der Umwandlung von Phytochromen nicht so wirksam ist, Pflanzen reagieren darauf jedoch durchaus. Planen Sie alle Arbeiten in der Anbauräumlichkeit immer für die Zeit ein, in der die Anbaulampen eingeschaltet sind.
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